KIRK JONES: MY BIG FAT GREEK WEDDING 2

My Big Fat Greek Wedding fällt in die Kategorie der Lieblingsfilme aus einer Zeit, in der Filme für mich noch eine untergeordnete Rolle spielten. Anfang 2003 kam die Culture-Clash-Komödie über eine Griechin aus Chicago, ihren amerikanischen Xenos-Freund und ihre große, laute Sippe in die Kinos. Ich hatte gerade meinen zwölften Geburtstag gefeiert und unzählige Weisheiten aus dem Film fanden umgehend Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch meiner Familie.

© Universal Pictures International Germany GmbH
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Heute würde ich das Aschenputtelmotiv der Komödie wahrscheinlich kritischer sehen. Bei all dem launigen Charme wurde am Ende schließlich nicht nur eine Hochzeit als das höchste aller Gefühle gefeiert, sondern auch die Tatsache, dass eine zunächst als unscheinbar gebrandmarkte Frau endlich die Brille abgenommen und den Lockenstab angeheizt hatte. Der Erfolg von My Big Fat Greek Wedding lässt sich damit aber nicht einfach weg argumentieren: etwa 5 Millionen US-Dollar hatten für die Independent-Produktion zur Verfügung gestanden – und völlig unerwartet spielte der Film weltweit unglaubliche 368,744,044 Dollar wieder ein. Vielleicht lag es an der Idee: hier wurde dem zahlenden Publikum mit Bravour vorgeführt, dass Romantische Komödien nicht nur in der Welt blonder, schlanker, hoch bezahlter Werbefachfrauen mit Designerlofts funktionierten.

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Legendär auch dieser kleine Dialogschnipsel: „Er ist Vegetarier? Kein Problem, dann mache ich eben Lamm.“ Vegetarismus wird 2002 niemanden mehr ernstzunehmend schockiert haben – er wirkte aber gerade noch exotisch genug, um in den Köpfen und auf den Zungen einer Randberliner Mittelklassefamilie hängen zu bleiben. Und predigte dabei mit ein wenig leicht bekömmlicher Albernheit eine entspannte Form von Koexistenz, die zwar in der Theorie alles andere als ein Ideal bildet, in der Lebenspraxis aber allzu oft dankbar angenommen wird. Tust du mir nichts, tu ich dir nichts. Zeigst du meine lauten Familienfeiern im Garten nicht an, hetze ich dir nicht meine drei muskelbepackten, vor griechischem Testosteron sprühenden Neffen auf den Hals.

Die Neffen gibt es in My Big Fat Greek Wedding 2 immer noch, genauso wie das einstige Aschenputtel: Toula Portokalos (Nia Vardalos, gleichzeitig auch die Autorin beider Filme) und Ians (John Corbett) Tochter Paris (Elena Kampouris) ist mittlerweile 16 Jahre alt und muss sich von ihrem Großvater Gus (Michael Constantine) die gleichen Sprüche anhören wie zuvor ihre Mutter: Heiraten, Babys, blablabla. Natürlich ist Oma Maria (mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit operiert: Lainie Kazan) an Bord, die mitteilsame Tante Voula, die alte Mana-Yiayia und die lauten Cousinen. Selbstverständlich gibt es auch wieder eine Hochzeit, und zwar diesmal noch lauter, noch bunter, noch fetter, noch verrückter. Opa erklärt immer noch, dass sämtliche Worte aus dem Griechischen kommen und alle Menschen von Alexander dem Großen abstammen; Toula glaubt noch immer, dass sie alles regeln muss.

© Universal Pictures International Germany GmbH
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Das Rezept, das in My Big Fat Greek Wedding 2 angewandt wird, um an alte Erfolge anzuknüpfen, ist damit recht schnell erklärt. Es lautet: Wiederholung. Manchmal auch: Übertreibung. Und hin und wieder wird Facebook erwähnt, um den Film ins Jahr 2016 zu holen. Ob solche Nostalgie-Pläne aufgehen, ist eine Frage der Dosierung, und in diese Falle tappen Vardalos und der Regisseur Kirk Jones mehr als einmal: als Toula erstmals wieder das Restaurant ihrer Eltern betritt, lässt sich die Kamera Zeit für einen langen Schwenk über Tische und Tresen. Langsam gehen die Lichter an, Musik schwillt heran und scheint das Wiedersehen eines alten Freundes anzukündigen. Vielleicht funktionierte das, wäre My Big Fat Greek Wedding eine jahrzehntelang ausgestrahlte Serie, mit der die Mittvierziger von heute sämtliche Nachmittage ihrer Kindheit verbrachten. Oder wenigstens eine heiß geliebte Trilogie, zu der man auf dem Schulhof drei Jahre lang Sammelkarten tauschen konnte. Es war aber eben doch nur eine einzelne Komödie.

Das bedeutet nicht, dass der alte Charme der 2002er Komödie nicht auch manchmal im neuen Film zünden würde. Gerade, wer weichen Herzens an My Big Fat Greek Wedding zurückdenkt, dürfte auch in My Big Fat Greek Wedding 2 anfällig sein für den ein oder anderen Lacher oder ein sonniges Gefühl wohliger Rückbesinnung. Nur sind eben doch viele Drehbuchpassagen nicht gut genug, um darüber hinwegzutäuschen, dass es hier einfach nichts Neues gibt. Oder dass die mehrfach wiederholte Textzeile über eine lange Blutlinie starker Frauen noch lange keine Auseinandersetzung über die Emanzipation von der Patriarchie bedeutet. Was um Himmels Willen auch nicht jede Komödie bieten muss – aber der Film will es unbedingt. Zwischen Nostalgie, Romantik und bunten Torten will er uns unbedingt noch erklären, warum die heterosexuelle Zweipersonen-Ehe zwar nicht für alle funktionieren muss, es aber für manche eben doch tut. Und das – wie so vieles im Fall von My Big Fat Greek Wedding 2 – ist einfach zu viel des Guten.

Kinostart: 24. März 2016

2 Comments

  • 2 Jahren ago

    An den ersten Teil habe ich nur noch sehr wage Erinnerungen. Ich weiß nur noch, dass ich positiv überracht war, denn Romcoms waren nie so 100%ig mein Ding. Besonders neu war halt der – vielleicht etwas überspitze – Einblick in die griechische Kultur. Da habe ich nämlich sonst gar keine Berührungspunkte und absolut keine Ahnung. Den 2. Teil werde ich dann vielleicht mal schauen, wenn er auf Netflix oder Amazon Prime auftaucht, denn für’s Kino reicht das Interesse dann nicht.

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