ALEX PROYAS: GODS OF EGYPT

Nach der Kampagne #OscarsSoWhite scheint sich Gods of Egypt von Alex Proyas nahtlos in eine Riege beklagenswerter Castingentscheidungen einzureihen. In einem Film, der sich altägyptische Mythen zur Vorlage wählt, einen blonden Dänen, einen Schotten und einen Australier als Helden zu besetzen, zeugt schon von einer gewissen Ignoranz, selbst wenn es sich bei zwei der Figuren um Götter, © Concorde Filmverleih GmbHund somit ohnehin um Wesen handelt, die über solchem menschlichen Firlefanz schweben. Die Frauen dürfen hingegen ruhig ein bisschen exotisch aussehen. Die eine ist französisch-kambodschanisch, aber so genau nimmt das ja keiner. Die meiste Zeit unterhalten sie sich ohnehin über ihre aus wenig Stoff bestehenden Kleider und stehen den männlichen Helden bei. Und dann ist da noch Chadwick Boseman, der zwar nicht selbst Held spielen, aber immerhin in Magical Negro-Manier Weisheiten von sich geben darf.

Whitewashing und Sexismus in Filmen zu thematisieren ist überfällig. Und trotzdem wäre es falsch, einen einzelnen Film allein durch diese Brille hindurch abzuwatschen, der letztlich in einem grundsätzlich kränkelnden System entstanden ist und wahrscheinlich auch nur so entstehen konnte. Gods of Egypt wurde von den US-Kritikern mehrheitlich mit Schlamm beworfen und Alex Proyas reagierte darauf wie ein wundes Tier. „Es scheint so, als würden Kritiker den Großteil ihrer Zeit damit verbringen, herauszufinden, was die meisten Leute lesen wollen […] Das ist eine Horde kranker Aasgeier, die an einem schon toten Kadaver zerren,“ schrieb er entrüstet auf seiner Facebook-Seite, denn sein Film fiel nicht nur bei den Kritikern durch, sondern vollführte auch am Box Office keine großen Sprünge.

© Concorde Filmverleih GmbHProyas scharfe Reaktion wird verständlicher, wenn man sich für einen Augenblick von den ersten eigenen Empörungsreflexen lossagt. Dann wird nämlich schnell ersichtlich, dass Gods of Egypt vieles ist, aber kein dummer Film. Seine Macher dürften das eine oder andere Geschichtsbuch aufgeschlagen haben. Gods of Egypt ist eine erstaunlich akkurate Entsprechung altägyptischer Mythen und Gottheiten, er ist Hau-Drauf, er ist der Kampf des humorlosen Monotheismus gegen den sinnlichen Polytheismus und die alte Geschichte des wortwörtlich kleinen Mannes, der sich aus eigener Kraft heraus gegen scheinbare Übermächte beweist. Allein damit ist er schon der wesentlich menschenfreundlichere Film im Vergleich beispielsweise mit dem christlich-frommen Auferstehungsspektakel Risen.

© Concorde Filmverleih GmbHUnd Gods of Egypt folgt – auf einer Ebene, die Zuschauern wie mir erlaubt, ihre Kompetenz in Sachen Altägyptische Götterwelt auf eher niedrigem Niveau zu belassen – auch gern dem schlichten, aber wirkungsvollen Prinzip des what you see, is what you get. Alex Proyas verwendet keine unnötige Energie darauf, auf Teufel komm raus eine aktuelle Relevanz in seinen Film hineinzuprügeln – Thot sei Dank (der Gott der Weisheit ist das, ha!). Es geht ihm viel eher um den Spaß dabei, in eine fantastische Welt einzutauchen und sich in sie fallen zu lassen. Die 3D-Technik sorgt in Gods of Egypt nicht unbedingt für einen signifikanten Mehrwert, das Set Design, die Kostüme, der ganze Look gehen aber eine spannende Verbindung zwischen Antike und futuristischer Fantasy ein. Und dass die Effekte übermäßig künstlich aussehen, korrespondiert nur noch besser mit der dramaturgischen Struktur: Alex Proyas baut keinen kunstvollen Spannungsbogen, eher gleicht sein Film einem Computerspiel, bei dem sich die Helden von Quest zu Quest, von Gegner zu Rätsel zu Endgegner vorkämpfen müssen. Und man müsste schon ziemlich abgestumpft sein, wenn man nicht zugeben könnte, dass staubige Sphynxen, blutrünstige Riesenschlangen und der flammende Geoffrey Rush als Sonnengott Ra auf einer Art futuristischer ISS am sternenbehangenen Firmament nicht verdammt cool wären.

Kinostart: 21. April 2016

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