JOHN WELLS: IM RAUSCH DER STERNE

Ich weiß eigentlich auch nicht, wieso ich mir immer wieder diese Küchenfilme anschaue: von Madame Mallory und der Duft von Curry bis Kiss the Cook – nichts wollte so recht zünden, trotz fähiger Darsteller_Innen und Filmemacher. Und nun kommt Bradley Cooper in Burnt, oder wie der unsägliche deutsche Titel lautet: Im Rausch der Sterne, und natürlich bin ich wieder ins Kino gerannt. Weil fähige Darsteller und Filmemacher. Mit Im August in Osage County hatte John Wells schließlich zuletzt ein kleines, gruseliges Kleinod von einem Familiendrama gedreht.

© Wild Bunch/Central FilmUnd nun das: Bradley Cooper spielt den Starkoch Adam Jones mit zwei Michelin-Sternen, der nach Drogenexzessen und Kreuzzügen gegen seine Kollegen gefeuert wurde und in der Versenkung verschwindet. Zwei Jahre lang. Nur Gerüchte sind von ihm noch zu vernehmen: erstochen in Amsterdam, tot gekokst. Und dann taucht er plötzlich doch wieder auf und will sich rehabilitieren: indem er das solide, aber eingefahrene Restaurant seines alten Freundes Tony (Daniel Brühl) übernimmt. Ein zusammengewürfelter Haufen junger Köche soll ihm dabei helfen, den dritten Stern zu erlangen. Aber eins ist von vorn herein klar: der eigentliche Star ist er.

Nicht nur das: Er ist der Jedi, der Mächtigste der Sieben Samurai. Bei John Wells tragen die Köche außerhalb der Küche Lederjacken und Ketten mit Soldaten-Tags um den Hals, fahren fette Motorräder und reden überhaupt die ganze Zeit über ihre Vergangenheit daher, als kämen sie aus dem Krieg. Es ist mittlerweile im zeitgenössischen Kino eine gängige Konvention, das solche Heldenmythen erst überzogen aufgebaut werden, um sie dann mehr oder weniger subtil zu brechen. Während Im Rausch der Sterne habe ich mir diese mittlerweile auch nicht mehr allzu frische Konvention sehnlichst zurück gewünscht. Dass ein Film seine Geschichte, seine Themen und Figuren ernst nimmt, ist völlig in Ordnung. Nicht in Ordnung ist es, wenn dadurch so schale Stereotype zementiert werden, dass mir sämtliche pfiffige Koch-Metaphern im Halse stecken bleiben.

© Wild Bunch/Central FilmDenn wer kommt dem Held zur Hilfe, wenn er strauchelt? Die holde Maid ist stets zu Diensten. Sienna Miller spielt in Im Rausch der Sterne eine talentierte Sous-Chefin, die Adam für seine neue Küche abwirbt. Und deren Weiblichkeit er bald entdeckt. Nein, halt: „Du bist die einzige Frau, die ich kenne,“ stellt er uncharmant fest, als sie zögerlich auf seine Party-Einladung reagiert. Sienna Miller ist nicht die einzige Schauspielerin des Films (in der Küche schon), aber einen großen Unterschied würde das auch nicht bringen. Einen Mann zum Mittelpunkt eines Films zu machen, ist legitim. All die preisgekrönten Schauspielerinnen in den kleinen Nebenrollen allen Ernstes zu seinen untergebenen Dienerinnen und Retterinnen zu degradieren, ist es nicht. Uma Thurmans Figur: eine Restaurantkritikerin, deren längster Satz schmachtend lautet: „Simone, du bist eine Lesbe, wieso hast du mit Adam Jones geschlafen?“ Emma Thompsons Figur: eine Therapeutin, die so herzensgut ist, dass sie ihm ihren Rat auch unbezahlt gibt. Alicia Vikanders Figur: die verständnisvolle Ex, die ihn im richtigen Moment mit der von Daddy geerbten Kohle raushauen muss. Und schließlich eben Sienna Millers Hélène: die Adam ungefragt feuern lässt, um sie selbst einstellen zu können – weil er gottgleich  ihr Talent erkennt. Deren Tochter er eine rosafarbene Blümchentorte zum Geburtstag bäckt. Als Wiedergutmachung dafür, dass ihre Mutter nicht bei ihr sein darf. Alles vergeben und vergessen, klar. Die ihm gut zusprechen und ihm buchstäblich die Wunden lecken darf, weil Frauen nun mal so wunderbar sozial sind.

Das wirklich Ärgerliche an Im Rausch der Sterne ist, dass der Film all Jenen in die Karten spielt, die die Existenz genau dieses Alltagssexismus so fleißig leugnen. „Wieso denn sexistisch?“, können sie fragen. Die Frauen hier haben doch Geld und eigene Ideen und sind alleinerziehend und nett und Sienna Miller hat sogar einen frechen Undercut. Das ändert aber leider nichts daran, dass ihr einziger Zweck das Anhimmeln und Umsorgen des glänzenden Helden ist. Die mehr oder weniger subtile Metaebene, auf der erklärt wird, dass ein solches Modell nicht funktionieren kann, hat John Wells vergessen. Und das lässt sogar Bradley Cooper als superharten Helden zwischen Lederjacke und Kochmütze nichts weiter als lächerlich wirken.

Kinostart: 03. Dezember 2015

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