DZIEN DOBRY GDANSK

gdansk01

An einem spätsommerlichen Tag mit dem Zug durch polnische Dörfer zu fahren,
fühlt sich an wie eine Kindheit in brandenburgischen Plattenbauten in den frühen Neunzigern.
Ein bisschen schäbig vielleicht, aber behütet.
Im Sitz vor mir die Frau mit den Katzen,
draußen warmes Licht und lange Schatten, tanzend im Schatten der Kiefernwälder.
Der sandige Weg neben dem Bahndamm.
Lange, dünne Stämme stechen in Richtung Himmel, das Blau
gegen den Horizont ausgewaschen und staubig.
Weite Felder voll berstender Ähren,
flatternde Wäsche auf rostigen Eisenstangen,
abgeplatzte Farbe.
Stromleitungen über Land.
Langsame, alte Männer mit stoischem Blick, die Arme auf dem Rücken verschränkt.
Die Frau im Zug neben mir mit melancholischem Blick, das zarte Blau ihrer Augen und ihrer Bluse eingerahmt im Fenster.
Eine poetische Zehntelsekunde,
schon vorbei.

Katrin Doerksen, 24. Juli 2015 – im Zug von Berlin – Gdansk

Was gibt es besseres als eine ausgiebige Zugfahrt? Sechs Stunden brauchte ich bis Gdansk Glowny – zum Danziger Hauptbahnhof. Komisch, in so einer nah liegenden Stadt noch nie gewesen zu sein. Der erste Eindruck: die Luft ist kühl und feucht, nach Meer riecht es nicht. Aber die Straßen. Plötzlich erscheint mir Berlin umso schmutziger, von meinem Ghetto gar nicht erst anzufangen. Kein Papier, keine Verpackungen, nicht einmal Zigarettenkippen sind zu sehen. Es ist schon dunkel und entlang der Promenade an der Motlawa sitzen die Menschen in gemütlichen Bars und Restaurants. Es ist gut besucht, die Atmosphäre dabei ist aber gänzlich entspannt, als ließen sich die Leute hier nicht so schnell beeindrucken.

Der nächste Tag führt uns in strömendem Regen zuerst in die Markthalle der Stadt, eine Art überdimensionalem Tante-Emma-Laden mit Gardinen und Klamotten, Fleisch, Brot, Süßigkeiten und einer mysteriösen Ausgrabungsstätte im Keller. Als es aufklart, begeben wir uns auf den ersten Spaziergang durch die Główne Miasto – die Rechtstadt von Danzig, in der früher die Reichen lebten. In der Architektur lassen sich Einflüsse aus Amsterdam und norddeutschen Städten entdecken, nur ist die Sicht leider durch allerhand Buden verstellt. Gdansk feiert irgendein Volksfest und die Straßen sind dadurch doppelt gefüllt. Das ist nervig, es hat aber auch Vorteile. An einem Stand gibt es das beste Bigos in ganz Polen.


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