BOM DIA LISBOA

Wer erinnert sich noch an meine Schwärmereien bezüglich der wunderbaren Meike Winnemuth? Richtig, die Journalistin, die bei Jauch eine Viertelmillion gewann und sich daraufhin aufmachte, eine Weltreise zu unternehmen: Zwölf Monate, zwölf Städte. Unterwegs arbeiten, in richtigen Apartments wohnen, darüber bloggen, am Ende kam bei ihr sogar ein ganzes Buch heraus. Um mich war es an dieser Stelle spätestens geschehen. Auf der Liste beeindruckender Persönlichkeiten nahm Frau Winnemuth ab sofort einen der oberen Ränge ein. Und dann gab es da diese Stimme im Kopf, die unermüdlich flüsterte (das ist falsch, eigentlich zeterte sie eher in einem sehr nervigen Tonfall): „Mach es ihr einfach nach!“

Nun ja, ein ganzes Jahr ist für den Anfang vielleicht ein bisschen viel. Also musste es ein Monat sein. Der Gedanke reifte unterschwellig heran, ein paar europäische Metropolen kamen in die engere Auswahl und als ich auf AirBNB dem perfekten Apartment über den Weg stolperte, war es plötzlich entschieden. Der September 2015 steht unter dem vielsagenden Titel: Lisboa. Ein sehr verheißungsvoller Klang geht für mich von diesem Namen aus, er erzählt etwas von bunt bemalten Fliesen und fotogenen Kopfsteinpflasterstraßen, von streichelweicher Wärme und Wasserduft, von zuckrigen Backwaren und sehnsüchtigem Fado, einer Hängematte auf meiner Dachterasse, Zeit zum Lesen und Schreiben und Bica an jeder Ecke.


CC BY-NC-ND 2.0 von Geoffrey Froment
CC BY-NC-ND 2.0 von Geoffrey Froment

Lissabon wird sicher auch eine Herausforderung. Weil ich bisher von Portugal noch nichts außer Madeira gesehen habe und in der Sprache noch blutige Anfängerin bin. Auch die Vorbereitung beschränkt sich auf ein Minimum, schon allein, um nicht am Ende wieder nur irgendeinem Plan zu folgen. Sie besteht zu weiten Teilen aus den beiden Büchern Portugiesische Filmgeschichte/n von Joao Bénard da Costa und Lissabon. Literarische Streifzüge durch die Stadt von keinem Geringeren als Werner Herzog. Wir werden sehen, wohin das führt.

Unklar bleibt vorerst auch, was in der Zeit mit l’âge d’or geschieht. Die Vormittage sind mehrheitlich für das Arbeiten und Bloggen reserviert, aber wer kann schon sagen, wie er plötzlich allein in einer fremden Stadt tickt? Vorerst ist geplant, die üblichen wöchentlichen Rubriken beizubehalten. Aber weil ein Blog nun mal auch autobiographische Züge trägt, verschiebt sich der Fokus etwas hin zum Thema Reise. Damit ist nicht nur Lissabon gemeint. Fotografien, die in diesem Sommer in Danzig entstanden sind, wollen das Licht der Blogosphäre entdecken und dann gibt es da noch diesen alten Reisebericht vom buchstäblich anderen Ende der Welt, der bisher unentdeckt in meinem Nachttisch schlummerte. Ich würde vorschlagen, wir lassen uns einfach alle von diesem September 2015 überraschen.

4 Comments

  • Thomas
    5 Jahren ago

    Dieser Werner Herzog ist aber leider nicht /der/ Werner Herzog 😉

    Viel Spaß weiterhin! 🙂

    • katrindoerksen
      5 Jahren ago

      Ups, da hätte mir etwas Recherche gut getan. Ich bin bei Dussmann drüber gestolpert und hab bei dem Namen einfach angenommen, dass es _der_ Werner Herzog sei. Bei seiner Umtriebigkeit hätte ich ihm das auch durchaus zugetraut. Sei’s drum, trotzdem ein überaus interessantes Buch. Danke für den Hinweis!

      • Thomas
        5 Jahren ago

        Eben, auf den Inhalt kommt es an – bin damals auf die Herzog-Reiseführer auch beinahe „reingefallen“ 🙂

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