MICHAEL DOWSE: THE F-WORD – VON WEGEN GUTE FREUNDE

Man nehme ein italienisches Weißbrot, bestreiche es über und über dick mit Butter und backe es im Ofen. Dann schneide man es durch und höhle es aus. Man fülle die eine Hälfte mit einem ganzen Glas Erdnussbutter, die Andere mit einem ganzen Glas Marmelade. Man packe knusprigen Bacon dazwischen und serviere die Kalorienbombe mit dem schönen Namen ‚Fool’s Gold‘ anstelle einer Hochzeitstorte. Es mag nun dahingestellt sein, ob das nach einem wahnwitzigen Schmaus oder einfach eklig klingt. Aber es soll tatsächlich Leute geben, die darauf stehen. Elvis zum Beispiel. Oder Wallace und Chantry.

© Senator
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Wallace (Daniel Radcliffe) ist seit Ewigkeiten nicht mehr vor die Tür gegangen. Seitdem ihn seine Freundin sitzen ließ, hält er Liebe nämlich für nichts als verlogene und überflüssige Illusion. Bei einer Party seines besten Freundes Allan (Adam Driver) trifft er dann aber die Comiczeichnerin Chantry (Zoe Kazan) und verbringt wider Erwarten einen umwerfenden Abend mit ihr. Er traut sich sogar, sie nach Hause zu bringen und kriegt ihre Nummer. Aber sein erwartungsvoller Dackelblick wird enttäuscht. In einem beiläufigen Nebensatz erfährt er, dass sie seit bereits fünf Jahren mit ihrem Freund Ben (Rafe Spall) zusammen ist. Das Urteil lautet: Freundschaft.

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The F-Word – Von Wegen Gute Freunde von Michael Dowse ist eine romantische Wohlfühlkomödie für Studenten. Das bedeutet, sie funktioniert im Grunde nach genau dem gleichen Schema-F wie all die 08/15-RomComs aus Hollywood, bemüht sich aber stets um den gewissen Twist. So gehören die Figuren natürlich wie üblich zur vergleichsweise sorgenfreien, hipsterigen Kreativ-Elite, sind gekleidet wie frisch aus dem Modeblog gecopypastet und pflegen vor allem ihre ganz eigene Sprache. Strotzend vor fantasievoller Ironie und dieser typischen, manchmal leicht überheblichen Jugendlichkeit.

Im Originaltrailer hat das ziemlich gut funktioniert und kündigte vor allem im Hinblick auf die Figur des ominös-großartigen Adam Driver zwei Stunden des höchst unterhaltsamen Schlagabtauschs an. Schlagabtausch gibt es dann auch – nur leider funktioniert er in der deutsch synchronisierten Fassung überhaupt nicht. Immer wieder klingen die Dialoge gestelzt, passen die Stimmen nicht zu den Figuren. Und das ist unwahrscheinlich schade. Denn auch wenn das Drehbuch oftmals etwas arg bemüht wirkt, werden so doch viele Momente verschenkt, in denen die Chemie eigentlich wunderbar zu passen scheint.

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Gelingt es, diese Schnitzer auszublenden oder den Film gar im Original zu sehen (was sich dringend empfiehlt!), entwickelt The F-Word – Von Wegen Gute Freunde durchaus einen gewissen Charme. Vor allem Schmachtfetzen-Muffel wie ich werden ihre Freude haben, denn mit viel Krawumm zerballert der Regisseur ein Romantik-Klischee nach dem Anderen. Ja, in diesem Film gibt es Hochzeiten. Aber sie werden so unaufdringlich und understatet durchgezogen, dass der bei mir eigentlich obligatorische Brechreiz einfach wegbleibt. Ja, in der Backstory müssen einige familiäre Tragödien herhalten, um das Verhalten der Figuren verständlicher erscheinen zu lassen. Dafür gibt es aber keine unausstehlichen Leinwandpaare.

Wenn Adam Driver und Mackenzie Davis aneinander kleben und davon sprechen, dass sie sich so sehr lieben, dass sie am liebsten den Anderen pellen würden, um in seine Haut zu schlüpfen wie in einen Umhang, dann klingt das plötzlich nicht mehr unbedingt nach der letzten RomCom mit Cameron Diaz und Jennifer Aniston. Und wenn bei einer Hochzeit die Rede von „ekligem Nachwuchs“ ist, der „mit Sicherheit die Apokalypse heraufbeschwören wird“, dann klingt das nach einer Hochzeit, bei der ich sogar freiwillig mitfeiern würde. Mit Fool’s Gold statt Torte.

Kinostart: 09. April 2015

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