FRED SCHEPISI: WORDS AND PICTURES

Als ich in die Sekundarstufe Zwei kam, stand ich vor einer schier unmöglichen Entscheidung. Musik, Kunst oder Darstellendes Spiel – nur eines dieser drei Lieblingsfächer durfte ich behalten. Und musste mich stattdessen weiter durch laute Naturwissenschaften quälen. Meine Wahl fiel letztlich auf das Schauspiel – mehrheitlich deswegen, weil ich meine Interessen an Kunst und Musik leichter auch allein aufrecht erhalten konnte. Entscheidungen liegen mir einfach generell nicht. Gut, die zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften fällt mir leicht. Aber dass ich am liebsten Journalistin, Autorin, Wissenschaftlerin, Fotografin und Filmemacherin gleichzeitig sein möchte, spricht ja durchaus für sich. Zum Glück muss ich interessenstechnisch keine Entscheidung zwischen Worten und Bildern treffen. Dann würde ich wohl nicht mehr glücklich.

© Senator
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Dass man die beiden Kunstformen allerdings auch als Antagonisten begreifen kann, beweist der Film Words and Pictures von Fred Schepisi. Jack Marcus (Clive Owen) trägt Dreitagebart und Kord-Jackett und arbeitet als Lehrer für Englisch an einer amerikanischen Highschool. Die Schüler hat Jack durchaus auf seiner Seite – zufrieden ist er trotzdem nicht. Denn vor Jahren hat er ausgezeichnete Literatur veröffentlicht, jetzt ist seine Inspiration allerdings verloschen und er kämpft mit dem Alkohol gegen die Leere in seinem Kopf. Eines Tages kommt eine neue Lehrerin für Bildende Kunst an die Schule. Dina Delsantos (Juliette Binoche) trägt einen bunten Künstlerschal und malt großflächige, abstrakte Bilder. Und ein Spitzname eilt ihr voraus: Eiszapfen wird sie genannt, weil sie anderen Leuten nur sorgfältig eingepuppt in einen Panzer aus Abweisung und Sarkasmus begegnet. Worte betrachtet sie als Lügen und Fallen, während Jack wiederum sein eigenes Fach für weit überlegen hält. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Wettbewerb, der sich auch auf die Schüler überträgt – und gleichsam auch Sympathie. Aber dann gerät Jacks Anstellung als Lehrer in Gefahr und er trifft eine Entscheidung, mit der er sich keine Freunde macht.

© Senator
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Es gehört sicher nicht zu den unkompliziertesten Angelegenheiten, einen Film zu drehen, dessen Konzept auf eine binäre Opposition basiert. Als zu Beginn der Titel in den Farben blau und rosa eingeblendet wird, stellen sich mir deswegen auch direkt die Nackenhaare auf. Zum Glück erweist sich Words and Pictures dann aber doch noch als ein Film, in dem durchaus originelle Ideen stecken. Gelungen sind zum Beispiel Details, die auf den ersten Blick gar nicht unbedingt auffallen, im Gesamtbild aber doch für eine clever gelöste Ausgeglichenheit zwischen den beiden kämpferischen Parteien sorgen. So beschreiben die Schüler im Unterricht zum Beispiel nicht hunderte Seiten mit ihren Worten, sondern benutzen vorrangig Tablets, die wie kein anderes Medium dafür prädestiniert sind, mit Texten und Bildern gleichermaßen zu arbeiten. Es wird wohl nicht als Spoiler gelten, anzudeuten, dass sich im Wettkampf Literatur gegen Kunst selbstverständlich kein klarer Gewinner herauskristallisieren kann und dass ein Film, der Vergleichbares versuchte, wohl auch nicht ernst zu nehmen wäre.

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Aber dann ist da natürlich auch noch die Liebesgeschichte zwischen Jack und Dina, und obwohl vor allem Letztere tatsächlich ein paar sehr witzige Dialogzeilen geschrieben bekommen hat, ist es doch dieser Handlungsstrang, in dem ab und zu der Kitsch um die Ecke lugt. Schmalzige Musik und Highkey-Ausleuchtung dürfen natürlich nicht fehlen und dann dauert es auch schon nicht mehr lange bis zum ersten Zücken des Taschentuchs. Trotzdem bieten die Figuren in Words and Pictures noch einen sehr entscheidenden Pluspunkt. Juliette Binoche war schon immer eine wunderschöne Frau, und das ist sie auch hier. Aber warum ist es ausgerechnet die Frau im Film, die auf Seiten der Bilder steht? Der Vorwurf der Reduktion der Weiblichkeit auf das Optische stünde im Raum, wenn Dina nicht ein wirklich originell gezeichneter Charakter wäre. Ihre Kratzbürstigkeit wird noch unterstrichen durch einen wilden Kurzhaarschnitt und wilde Farbkombinationen. Und noch dazu geht sie an einer Krücke, denn Dina leidet an rheumatoider Arthritis, braucht Hilfe bei Tätigkeiten wie dem Anziehen und bewahrt sich doch trotz der Krankheit so viel Autonomie wie nur irgend möglich. Damit entspricht sie weder dem Klischee der hilflosen, noch dem der auf ihr Aussehen reduzierbare Frau.

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Words and Pictures ist alles andere als ein brillianter Film. Dafür ist er doch wesentlich zu inkonsistent, die Motivationen seiner Figuren oft zu wenig nachvollziehbar. Die Dialoge der Schüler sind nicht selten etwas zu geschliffen für eine Handvoll Teenager und nicht jede Handlungsentwicklung wirkt glaubhaft. Nichtsdestotrotz strahlt das Werk von Fred Schepisi aber Charme aus und sorgt für ein bisschen gute Laune. Wem normale RomComs zu blöd und komplexes Arthousekino zu verkopft ist, der wird an Words and Pictures ganz bestimmt Gefallen finden.

Kinostart: 22. Mai 2014

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